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Geschichte

75 Jahre Kleingartenanlage Volkspark in Dinslaken


 

Das Kleingartenwesen hatte seine größte Bedeutung und den stärksten Zulauf stets in gesellschaftspolitischen und sozialen Krisensituationen, bei Armut und Hunger, in Notzeiten und nach Kriegen. Letztes mag sicher auch ein Grund für die Entstehung unseres Kleingartenvereins gewesen sein. Im Jahre 1941 beginnen 8 - 10 Leute im Volkspark hier in Dinslaken das Grabeland gärtnerisch zu nutzen.
 

Der damalige Bürgermeister Dr. Jahnke erteilt ab 1942 seine Genehmigung zu einem Pachtvertrag. Inzwischen erhöhte sich die Anzahl der Gärten auf 34 Gärten mit einer Nutzfläche von ca. 13.700 qm. Im Namen der Kleingärtner leistet der Obmann Hermann Pollmann die Gegenzeichnung des Pachtvertrages.
 

Die Gartenanlage wurde gleichzeitig für öffentlich erklärt. Das war der Ursprung des heutigen Dinslakener Volksparkes. Als Zugang wurde ein Weg von der Luisenstraße geschaffen.

In den Kriegsjahren haben sich Hermann Rott und Karl Lehmkuhl um die Belange des Vereins verdient gemacht.

Am 29. Dezember 1947 erfolgt dann die Gründung des selbständigen Kleingartenvereins Volkspark. Eingetragen wird der Verein im Vereinsregister unter der damaligen Nummer VR 46. Zum 1. Vorsitzenden wird Hermann Rott gewählt.  Die Anzahl der Gärten ist nun auf 147 gewachsen.

Im Frühjahr 1950 übernimmt Karl Lehmkuhl den Vorsitz. Durch seine Initiative und mit Hilfe des damaligen Schriftführers und späteren Ehrenvorsitzenden Hermann Redick entsteht unser Vereinsheim. Viele fleißige Hände der Mitglieder tragen dazu bei, dass wir unser Vereinsheim im Frühjahr 1954 einweihen konnten.
 

Der Spruch: „Über allem steht die Tat“ wurde der Leitgedanke für viele weitere Initiativen.

In den weiteren Jahren werden die Wege ausgebaut und sehr viele Rosen jeweils vor den Gärten gepflanzt.  1959 wird die Stadt Dinslaken Landes- und Bundessieger bei Kleingartenwettbewerb und erhielt den Goldenen Erntekranz.

Auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Lantermann in Verbindung mit dem Leiter des Grünflächenamtes Georg Schroer und mit der tatkräftigen Unterstützung unseres damaligen 1. Vorsitzenden Arthur Diesing konnten wir am 19.11.1961 zu Ehren der Opfer des ersten  und zweiten Weltkrieges im Volkspark den Gedenkstein mit der Aufschrift: „Den Toten beider Weltkriege zum Gedenken . Den Lebenden zu Mahnung.“  – einweihen.  

Ein Garten will täglich seinen Herren sehen“. Dieses Sprichwort trug sicher dazu bei, dass 1972 zum 5. Mal innerhalb von 5 Jahren der Kleingartenverein Volkspark für seine hervorragenden Gärten vom Verband Rheinische Gartenbauvereine in Bonn, ausgezeichnet wurde.
 

Als Einzelsieger im Landeswettbewerb wurden Heinz Hoffacker und Helmut Schmechel besonders geehrt.  

1976 erfolgte der Wechsel vom Verband Rheinische Gartenbauvereine Bonn zum Stadtverband der Kleingärtner e.V. Dinslaken.

Weiter Baumaßnahmen erfolgten wie folgt:

1976/1977: Renovierung  der Dachkonstruktion und Erneuerung des Fußbodens. Neubau des Konferenzraum und der Toilettenanlage. Verlegung in Eigenleistung wurde die Gas- und Wasserleitung vom Vereinsheim zur B8. Diese Maßnahmen erfolgten unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Böttcher.
 

1984 sorgt der damalige 1. Vorsitzende Krieshammer dafür, dass ein Abwasserkanal, von der B8 kommend, in mühsamer Weise wieder in Eigenleistung, angelegt wird.

Im Anschluss daran wird der Vorplatz unseres Heimes in Gemeinschaftsarbeit, unter Mithilfe der Stadt Dinslaken, neu gepflastert.
 

Im Jahre 1991 entsteht ein neuer Thekenbereich mit einer eigenen Dachkonstruktion, wo auch der Garderobenbereich integriert wird. Wieder haben sich viele Kleingärtner tatkräftig beteiligt, damit die Kosten erschwinglich blieben.
 

Im Frühjahr 2002 passierte nun das unfassbare. Durch Brandstiftung wird unser  Vereinsheim zum größten Teil zerstört. Auch hier wurde wieder durch den gerade im März 2002 neugewählten 1. Vorsitzenden, Frank Dodig, zielstrebig der Neubau angepackt. Nach einjähriger Bauzeit, wiederum durch die fleißigen Hände der Kleingärtner, konnte das neue Vereinsheim im Sommer 2003 genutzt werden.

Im Jahre 2013 wird eine Lagerhalle angebaut. Neu gepflastert wird der Hinterhof im Frühjahr 2014. Vorher wurde der Hof von den Altlasten befreit.

Bei der Jahreshauptversammlung im März 2016 wurde Dietmar Brandenberg als 1. Vorsitzender gewählt. Sein Vertreter ist Dirk Trawka. Die Finanzen des Vereins obliegen Werner Steinbring, Martina Lang ist die Schriftführerin und den Vorstand vervollständigt Horst Karusseit als Fachberater.

 

Folgende Gartenfreunde führten den Verein

in den 75 Jahren seines Bestehens:

1941   Hermann Pollmann
In den Kriegs.- und Nachkriegszeiten   Hermann Roth und Karl Lehmkuhl
 28.12.1947  bis 19.02.1950 Hermann Roth
19.02.1950 bis 18.01.1958 Karl Lehmkuhl  danach Ehrenvorsitzender
18.01.1958 bis 20.06.1959 Paul Kohaupt
20.06.1959 bis 16.06.1962 Athur Diesng
16.06.1962 bis 21.11.1967 Helmut von Mach
21.11.1967 bis 23.03.1974 Wolfgang Arenhövel
23.03.1974 bis 10.10.1981 Karl-Heinz Böttcher
10.10.1981 bis 17.04.1988 Heinz Krieshammer
17.04.1988 bis 13.10.1991 Herman Herberg
13.10.1991 bis 02.03.1997 Edwin Rüger
02.03.1997 bis 09.03.2003 Alfred Trapenau
09.03.2003 bis 14.06.2016 Frank Dodig

 
ab dem 14.06.2016 im geschäftsführenden Vorstand:

 

1.

Vorsitzender

Dietmar Brandenberg

2.

Vorsitzender

Dirk Trawka

1.

Kassiererin

Nicole Heidemann

1.

Schriftführerin

Martina Lang

1.

Fachberater

Marcel Heidemann

 

Wurzeln der Kleingartenbewegung

Ihre historischen Wurzeln hat die Kleingartenbewegung in Deutschland. Der eigentliche Ursprung der Gärtchen ist eng mit den sozialen Missständen der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verbunden: Beengte Wohnverhältnisse in den Städten, Armut und Mangelernährung waren dringende Probleme. Wer einen Kleingarten besaß, konnte nicht nur in die Natur fliehen, sondern sich auch mit Nahrung versorgen.
 

Kleines Paradies in der Großstadt
 

Den ersten Kleingärtnerverein gründete 1814 Landgraf Carl von Hessen in Kappeln an der Schlei. Mit den Erzeugnissen der kleinen Parzellen sollten sozial Schwache dabei unterstützt werden, sich selbst zu versorgen. Das Land, auf dem die Kleingartenanlage entstand, wurde aber bald wieder für andere Zwecke benötigt. Das gleiche Schicksal ereilte viele Armengärten, die es zwischen 1830 und 1840 in Leipzig, Berlin und Kiel gab. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in einigen Städten dauerhaft Kleingartenanlagen gegründet, wie zum Beispiel die Laubenkolonien des Roten Kreuzes in Berlin.

  
Schrebergärten zum Wohl der Kinder
 

 Die Naturheilbewegung des 19. Jahrhunderts sah in den Kleingärten nicht nur eine günstige Versorgungsquelle für Arme, sondern auch eine Möglichkeit für Stadtbewohner, mehr Licht, Luft und Bewegung zu bekommen. Als einer der Väter der Naturheilkunde gilt der Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber (1808-1861). Während seiner Tätigkeit stellte er fest, dass viele Kinder in der Großstadt an Haltungsschäden litten. Mit Bandagen und Korsetts war dem Problem nicht bei zu kommen. Was die Kinder seiner Meinung nach brauchten, war viel Bewegung an der frischen Luft. Mit der Entstehung der nach ihm benannten Gärten hatte Schreber aber nicht unmittelbar zu tun. Sein Schwiegersohn Ernst Innocenz Hauschild legte 1864, also erst nach Schrebers Tod, eine Spielwiese in Leipzig an, auf der Kinder unter Betreuung toben und turnen konnten. Zu Ehren seines Schwiegervaters nannte Hauschild die Wiese "Schreberplatz".

Erst durch Heinrich Karl Gesell wurde aus dem Schreberplatz eine richtige Kleingartenanlage. Der Lehrer ließ die Kinder Beete anlegen, mit denen sie auch aus bewegungstherapeutischer Sicht die Gartenarbeit erlernen sollten. Doch den Kleinen machte das Hacken, Säen und Gießen bald keinen Spaß mehr und die Beete verwilderten. Damit die Anlage nicht völlig mit Unkraut überzogen wurde, übernahmen die Eltern fortan die Pflege der kleinen Gärten. So wurden aus den Beeten für die Kleinen, Gärten für die ganze Familie und der ehemalige Spielplatz mauserte sich zur Kleingartenanlage. Bereits 1870 gab dort 100 parzellierte Flächen, die "Schrebergärten" genannt wurden. Dieser Name hat sich bis heute als alternative Bezeichnung für Kleingärten gehalten.

Zuflucht nach dem Krieg

Während und nach den beiden Weltkriegen erfüllten die Kleingärten wieder hauptsächlich die Funktion, die sie bereits in ihren Anfängen innehatten. Sie dienten der hungernden Bevölkerung als zusätzliche Nahrungsquelle. Die Gartenlauben wurden nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs zum Teil sogar als Wohnungen benutzt. Oft wurden die Lauben ohne Genehmigung ausgebaut und so bewohnbar gemacht. Aufgrund der großen Not in der Nachkriegszeit wurden diese Schwarzbauten aber meistens von den Behörden genehmigt. Ihre Bewohner erhielten lebenslanges Wohnrecht, so dass man bis heute noch in alten Kleingartenanlagen richtige kleine Wohnhäuser finden kann.

 Vom Spießergarten zum Familienparadies
 

 Mit dem Wirtschaftswunder verloren die Kleingärten ihre Bedeutung für die Lebenshaltung und entwickelten sich über die Jahrzehnte zum Inbegriff des Spießertums. Kleingärten standen in der Spießer-Skala auf einer Stufe mit Gartenzwergen, Bausparen und gehäkelten Klorollenbezügen auf der Hutablage. Da die Jugend sich nicht für die Gärtnerei interessierte, wurden viele Kleingartenanlagen zu reinen Rentnervereinen. Doch dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Immer mehr Familien wissen das eigene kleine Naturparadies zu schätzen und mieten sich in den Kolonien ein. Laut einer Studie des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde (BDG) ist das Durchschnittsalter in den über 15.000 Kleingartenvereinen seit dem Ende der 1990er Jahre um zehn Jahre gesunken. Insgesamt, so der BDG, nutzen in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen die über eine Million Kleingärten.

 Integration

In unserer Kleingartenanlage Volkspark in Dinslaken vollzieht sich eine langsame aber stetige Integration. Etliche Pächter in unserer Anlage haben ihre Wurzeln nicht in Deutschland. Sie kommen entweder aus den europäischen oder asiatischen Ländern. Diese Vielfallt hinsichtlich der Sprache und der Esskultur bereichert unseren Verein. Hier kann man auch auf den kulinarischen Weg sich begeben. In Deutschland haben 7,5 Prozent der Kleingärtner, das sind 75.000 Kleingärtnerfamilien, einen Migrationshintergrund.

 Feste

Natürlich wird bei den Kleingärtnern gefeiert. Neben dem 1. Mai Fest wird noch das Oktoberfest (früher Erntedankfest), Nikolausfeier und Silvesterfeier organisiert und erst recht gefeiert.  

Kleingärten

Unterschiedliche Bauweisen der Lauben und der Gärten tragen dazu bei, dass eine Monokultur ausgeschlossen wird. Einheitliche Baustile tragen nicht dazu bei, dass die Anlage schön aussieht. Nicht zu verschweigen ist, dass unter den Kleingärtner auch eine Disharmonie gibt. Diese werden durch die Satzung des Vereines aber geregelt. Aber bei allen unterschiedlichen Ansichten ist der Freizeitwert entscheidend. 

 Zukunft

 Der Kleingartenverein mit seinen Mitgliedern wird auch weiterhin existieren, da der Trend zur Natur anhält. Mögen die Vorschriften helfen, dass ein miteinander im Garten weiterhin gewährleistet werden kann.    

Zusammengestellt von Werner Steinbring im September 2016

 

Jubilare in den frühen 60`er Jahren 



Baumschnittlehrgang in den 1960`er


 Gartenbegehungsurkunde aus dem Jahre 1960
 


 Zeitungsartikel vom 06.10.1970
 


Ein Kleingarten in der Nachkriegszeit
 


 Gartenarbeit in der Nachkriegszeit
 

 

 

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